Auf Meerforellen an Südschwedens Ostseeküste April 2011


von Gerold (Gerry) Clasen

Bei schönstem Wetter fahren wir am Samstag, dem 2. April, in Richtung Norden. Das Thermometer klettert bis 25 Grad. Da auch seltsamer Weise wenig Verkehr auf der Autobahn ist, kommen wir ungestresst in der Nähe von Hamburg an, wo wir wie immer eine Übernachtung eingeplant haben. Am Sonntagmorgen geht es dann weiter. Gegen 17:30 Uhr kommen wir an unserem Reiseziel an. Hier in Vånga sind es noch 12 Grad.

 

Montag, 04.04.11

Heute wird eingekauft, die Freunde besucht, der Gartenabfall des letzten Jahres verbrannt und alle Vorbereitungen für den Start der Meerforellensaison am Dienstag getroffen.

 

Dienstag, 05.04.11

Auf dem Weg nach Landön stoppe ich bei Alf (Motor & Marin) und lasse kurz meinen Motor checken. Er startet sofort, also kann es direkt weiter gehen. In Landön angekommen steht auch schon mein Freund Sten, seines Zeichens „Hafenkapitän“ am Kai und weist mir meinen Bootsplatz für die nächsten drei Wochen zu. Ein besseres „Timing“ gibt es nicht. Gegen 11:00 Uhr bin ich startklar und fahre zu meiner Lieblingsinsel wo ich wie immer meinen ersten Wurf mache. Das Wasser hat hier 3,8 Grad. Heute messe ich an verschiedenen Stellen Werte zwischen 3,5 und 4,8 Grad. Ich fische die altbekannten Plätze ab und bekomme um 14:35 Uhr einen Biss auf meinen Eigenbaublinker. Der Fisch springt aus dem Wasser, das Maß könnte er gerade so haben, schüttelt sich und ist wieder frei. Ist nicht schlimm, es darf gerne, wie beim Metzger, etwas mehr sein. Der Wind frischt auf und da es mir etwas kalt wird, mache ich für heute Schluss.

Typische Schärenlandschaft

 

Mittwoch, 06.04.11

Regen

 

Donnerstag, 07.04.11

Sturm

 

Freitag, 08.04.11

Sturm (34m/s)

 

Samstag, 09.04.11

Kräftiger Nordwestwind. Nachläufer ca. 5 Pfund, 12:15. Wasser 3,6 – 6,3

 

Sonntag, 10.04.11

Moderater Nordwestwind, Wasser 3,8 – 7,3 Grad; schöner, sonniger Tag bis 20 Grad. Kein Kontakt. Weder Fliege noch Blinker.

Typische Schärenlandschaft

 

Montag, 11.04.11

Gegen 10:00 Uhr bin ich am Hafen und belade mein Boot. Ein Hauch von Südwestwind liegt auf dem Wasser. Warum auch immer, beginne ich heute an einer anderen Stelle als sonst. Diesen Platz habe ich in guter Erinnerung, hat er mir doch meine bisher schwerste Meerforelle (4,3 kg) gebracht. Beim dritten Wurf spüre ich Widerstand und ………………. hänge mit meiner Fliege an einem Stein. Also losschütteln und ein neuer Versuch. Erneuter Widerstand und ……………. dieses Mal bewegt sich der “Stein“. Nach einem guten Drill mit meiner 5er Switchrute lande ich um 10:30 Uhr meine für diesen Urlaub erste Meerforelle. (Länge 59 cm; 1,9 kg; 5,3 Grad Wassertemperatur; Fliege: General Practitioner (GP) Zwillingshaken Gr. 4). Ausgiebig beackere ich den ganzen Bereich, bekomme aber keinen weiteren Kontakt. Ich verlege zu meiner Lieblingsinsel da auch dort der Wind ideal auftrifft. Gegen 12:00 Uhr ein erneuter Biss auf die GP. Ein Sprung aus dem Wasser und der Fisch ist wieder frei. 20 Minuten später ein weiterer Biss. Ich kann den Fisch kurz sehen bis auch er sich wieder befreit. Nicht weiter tragisch, zum Mindestmaß haben ihm noch einige Zentimeter gefehlt. Ich fahre wieder zu meinem Ausgangspunkt zurück und lasse mich erneut auf die Insel zutreiben. Nur eine Viertelstunde später bekomme ich einen weiteren Biss und die 5er verbeugt sich gewaltig. Der Fisch springt mehrfach und zieht dann stur auf den Grund. Da der Bereich sehr steinig ist, habe ich alle Hände voll zu tun. Den Fisch drillen, den Kescher bereit halten und den Steinen ausweichen; man bräuchte 3-4 Arme. Ordentlich was die Mefo zeigt und beachtlich was in dem Rütchen steckt. Das Ergebnis ist eine Schönheit von 67 cm Länge und 3,15 kg. Gefangen auf eine als Springer montierte Polarmagnus (PM) bei 5,1 Grad Wassertemperatur. Einige weitere Versuche in diesem Gebiet bleiben ohne Kontakt. Auch auf den Eigenbaublinker lässt sich keine Meerforelle verführen. Ich fahre noch einige andere Stellen ab, die mir schon häufiger Fische beschert haben aber der mittlerweile recht kräftige Westwind scheint ihnen nicht so recht zuzusagen. Noch einmal fahre ich zurück zu meiner Lieblingsinsel und kann tatsächlich noch einen Fisch von ca. 40 cm haken aber nicht landen. Bei so einem Angeltag kommt Freude auf.

meine Erste für dieses Jahr - 59 cm - 1,9 kg

Eine gute 3-Kilo-Forelle

 

Dienstag, 12.04.11

Wie immer gegen 10 Uhr am Wasser. Leider ist Windstille. So bleibt es auch bis gegen 14:30 Uhr mit dem bei solchen Verhältnissen zu erwartendem Ergebnis. Kein Biss, kein Nachläufer …garnix. Die Wassertemperatur liegt mittlerweile überall so bei 5-6 Grad.

Still ruht die Ostsee

 

Mittwoch, 13.04.11

Bis 11:30 Nordostwind und danach zwei Stunden windstill. Nichts gespürt und nichts gesehen.

glasklares Wasser - herrlicher Untergrund

 

Donnerstag, 14.04.11

Schönes Wetter, falscher Wind oder gar keiner.

Köpfchen in das Wasser ...........

ein gefährlicher Brocken - zum Glück gut zu sehen

 

Freitag, 15.04.11

Bis gegen 13:00 nordwestlicher/westlicher Wind ohne Kontakt. Danach drehte er auf Südost und gegen 13:30 Uhr fange ich eine kleine Meerforelle auf Fliege (GP), die natürlich wieder zurück gesetzt wird. Ausgerechnet heute, wo der Wind endlich mal von der richtigen Seite kommt, habe ich bereits etwas anderes vor und höre gegen 14:30 Uhr auf.

 

Samstag, 16.04.11

Bis gegen 13:00 Uhr nordwestlicher Wind und dann 1½ Stunden ohne Wind. Und dann ganz plötzlich Südwestwind und zwar so kräftig, dass ich nicht mehr mit der Fliege angeln kann. Ich befische gerade einen Bereich wo vor einer kleinen Insel jede Menge größere Steine verteilt liegen. Ich lasse mich über diese Stelle hinweg treiben und setze, eigentlich wider besseren Wissens, noch einen Wurf hinter diese Gruppe. Ein harter Ruck in der Rute belehrt mich allerdings, dass dieser Wurf wohl doch seine Berechtigung hatte. Und plötzlich geht ein ordentlicher Tanz los. Die Forelle saust quer vor der Insel entlang, springt aus dem Wasser und genau so schnell geht es wieder zurück. Sie springt schon wieder, ein herrlicher, blanker Fisch. Hoffentlich steigt sie nicht aus. Die Bremse meiner Multi muss ich lockern, so stark fordert der Fisch Schnur. Nach einem richtig tollen Fight kann ich um 15:00 Uhr eine bildschöne 65er und 3,1 kg schwere Meerforelle keschern. Wassertemperatur 6,4 Grad, Luft 10 Grad. So darf es gerne weitergehen. Ich fische noch eine Stunde, kann aber keinen Kontakt mehr herstellen.

Eine gute Kämpferin - 65 cm - 3,1 kg

und am Horizont ein alter Leuchtturm

 

Sonntag, 17.04.11

Der Wind kommt wie immer aus Nordwest mit dem gewohnten Ergebnis. Gegen 13:00 Uhr schwenkt er nach Westen um und ich fahre ca. 5 km weiter an die „Hamranars“, eine bekannte und oftmals gute Angelstelle. Dort versuchen sich bereits zwei watfischende Kollegen. Ein zaghafter Stupser an den Blinker und zwei kleinere Nachläufer zeigen mir an, dass zwar Fische da sind aber nicht richtig wollen. Ich befische das Gebiet etwa 1 ½ Stunden ohne Erfolg. Dann mache ich mich auf den Heimweg.

 

Montag, 18.04.11

Heute haben wir blauen Himmel und Sonnenschein. Es ist sogar so warm, dass ich eine Weile meine dicke Jacke ausziehen kann. Den Fischen ist es wohl zu hell und der Wind dürfte ihnen auch wieder nicht passen. Ziemlich spät dreht er, nach einer kurzen windstillen Pause, nach Südost. Schöner Wind in der richtigen Stärke. Fische sind allerdings keine zu sehen. Gegen 17:00 Uhr gebe ich für heute auf. Für die nächsten und letzten drei Tage sind nur südliche Winde gemeldet. Ich bin guter Hoffnung, dass da noch etwas gehen wird.

 

Dienstag, 19.04.11

Eiskalter Nordostwind. Auch den Fischen scheint es zu kalt zu sein, sie zeigen jedenfalls kein Interesse an meinen Ködern. An einer kleinen Insel, an der ich mich vorbei treiben lasse, sehe ich plötzlich einen Nerz über die Steine laufen; ab und zu bleibt er auf einem Stein sitzen und beobachtet mich.

 

Mittwoch, 20.04.11

Heute zum ersten Mal gleich von Anfang an idealer Südostwind, allerdings zu stark um mit der Fliegenrute zu fischen. Also wird geblinkert. Nach ca. einer Stunde gibt es einen Ruck in der Rute und ich kann auf meine Springerfliege (PM) eine 55er Mefo landen (Wasser 5,8 Grad). Ich lasse mich noch ein paarmal an diesem Bereich vorbei treiben aber es scheint keinen weiteren Interessenten zu geben. Also Platzwechsel. An der Stelle wo ich die letzte 3kg-Forelle erwischt habe, bekomme ich einen Biss auf meine GP. Eine blanke Forelle der Güteklasse 3-4 kg springt aus dem Wasser und verabschiedet sich leider wieder nach einem kurzen Kampf. Weitere Versuche, auch mit dem Blinker, werden ignoriert. Ich verlege an einen anderen Platz und dort das gleiche Spiel; Biss und tschüss. Was soll’s, endlich mal wieder Leben im Wasser. Morgen soll der Wind wieder aus südlichen Gefilden kommen, das lässt auf einen guten Abschluss hoffen.

typische Schärenlandschaft

 

Donnerstag, 21.04.11

Heute ist der letzte Angeltag, schade, ich könnte noch ein Weilchen weitermachen. Wir haben zwar den angekündigten Südostwind, aber in einer Stärke, dass es gerade einmal reicht um die Oberfläche ein bisschen zu kräuseln. Ich fahre an die Hamranas, in der Hoffnung, dass es dort etwas besser aussieht. Leider ist es da auch nicht anders. Ein dicker Brocken verfolgt meinen Blinker und dreht ab als er das Boot sieht. Das Wasser ist viel zu klar um fängig zu sein. Trotzdem gelingt es mir etwas später eine untermaßige 40iger auf die Springerfliege meiner Blinkerrute zu fangen. Eine Weile später verfolgt an einer anderen Stelle noch so ein dicker Brocken meinen Blinker, das war’s aber auch. Sobald ich auf Fliege umsteige habe ich seltsamer Weise noch nicht einmal einen Nachläufer. Ab ca. drei Uhr lässt der Wind dann ganz nach und die Wasseroberfläche wird spiegelglatt. Das ist dann für mich auch gleichzeitig das Startzeichen zum Aufbruch. Ich kann heute nichts mehr „Essbares“ fangen, dafür habe ich einen wunderschönen Sonnentag.

begehrtes Futter .... die Garnele

Das Fangergebnis war dieses Mal zwar nicht so doll aber ich hatte gutes Wetter und eine schöne Zeit auf dem Wasser und freue mich schon wieder riesig auf nächstes Jahr. Und wenn alles so wird, wie ich mir das vorstelle, geht es dann vier Wochen auf Mefos.