Auf Meerforellen an Südschwedens Ostseeküste April 2010


von Gerold (Gerry) Clasen

Sa 27.03.10

Es ist mal wieder so weit…… Meerforellenzeit…… mittlerweile ein fester Bestandteil meiner Urlaubsplanung. Ohne Stau schaffen wir es in angenehm kurzer Zeit bis in die Nähe von Hamburg, wo wir wie immer übernachten. Sonntags fahren wir gegen 09:00 Uhr los und sind um 16:00 Uhr am Ziel. Ich bin gerade mit dem Ausladen fertig, da bekommen wir auch schon Besuch von Nachbars Katzen, die jetzt wieder die meiste Zeit bei uns verbringen. Montags wird eingekauft, die Nachbarschaft begrüßt und die Vorbereitungen für die erste Angeltour am Dienstag getroffen.

Di 30.03.10

Da ich in den beiden letzten Jahren jedes Mal Probleme mit meinem Motor hatte, mache ich dieses Mal direkt bei Alf halt und lasse meinen Motor überprüfen. Als hätte ich’s geahnt, er will mal wieder nicht freiwillig starten. Alf schimpft über das alte Benzin im Vergaser, spritzt ein bisschen Starthilfe rein und schon springt er an. Allein wäre das mal wieder nichts geworden. In Landön angekommen, fahre ich direkt zu meinem Freund Sten, seines Zeichens „Hafenkapitän“, der mir wieder einen idealen Bootsplatz zuweist. Blauer Himmel, die Sonne scheint und der Wind bläst, allerdings recht kalt, von Südost. Das Wasser hat 2,3 Grad. Nicht sonderlich in Eile tuckere ich zu meiner Lieblingsinsel. Dort versuche ich mich mit meiner neuen Fliegenrute, muss aber feststellen, dass ich für die vorherrschenden Windverhältnisse zu leicht montiert habe. Dann eben die Blinkerrute. Bei dieser Wassertemperatur habe ich allerdings keine großen Hoffnungen. Erwartungsgemäß bekomme ich auch keinen Biss. Der Wind bläst an dieser Stelle auch etwas ungünstig. Ich fahre einen Kilometer weiter zu einer großen Bucht und hoffe, dass dort das Wasser nicht so kalt ist. Tatsächlich, dort ist es mit 2,7 Grad etwas wärmer. Nach einer Weile bekomme ich kurz vor dem Boot einen zaghaften Biss und ich kann gerade noch den Fisch abdrehen sehen. Na ja, ein Riese war’s nicht. Etwa eine halbe Stunde später ein erneuter Kontakt. Auch dieser Fisch folgt bis ans Boot, sieht mich und verabschiedet sich mit einem ordentlichen Wirbel an der Oberfläche. Das war schon ein besseres Kaliber. Das war’s dann aber auch schon für heute. In der Zwischenzeit hat sich in der Bucht das Wasser auf 3,1 Grad erwärmt. Für heute reicht es mir und ich mache mich auf den Heimweg.

Schön, aber gefährlich! Steine bis dicht unter die Oberfläche.

 

Mi 31.03.10

Heute ist das Fischen wegen Nebel ausgefallen. Die Suppe war so dicht, dass ich es erst gar nicht versucht habe. Dafür freut sich der Garten, der vom alten Laub befreit wird. Zusammen mit einem Berg alter Äste wird gleich ein großer Teil davon verbrannt.

Do 01.04.10

Kurz nach 10 Uhr bin ich am Hafen. Die Sonne scheint und es bläst ein frischer Südwestwind. Heute messe ich Temperaturen zwischen 2,6 und 4,3 Grad. Zwischen zwei kleinen Inseln sehe ich im flachen Wasser eine ca. 3 Pfund schwere Forelle gemächlich davon schwimmen. Trotz gutem Wind sind die Fische nicht in Stimmung und außer einem Nachläufer ereignet sich bis 14:30 Uhr nichts. Doch dann erbarmt sich ein Winzling von ca. 25 cm und beißt in meinen Eigenbaublinker. Er wird abgehakt und darf wieder zurück. Das war’s dann für heute und gegen 16 Uhr mache ich Schluss.

Auch nicht ganz harmlos - bei höheren Wellen sind die Steine unter der Oberfläche besonders gefährlich.

 

Fr. 02.04.10

Ein weiterer erfolgloser Angeltag.

Sa. 03.04.10

Heute ist Einkaufstag und das Fischen fällt aus.

So. 04.04.10

Ich bin gegen 10 Uhr am Wasser. Der Wind kommt von Südost, ist ziemlich stark und eiskalt. Außerdem sind mir auch die Wellen schon zu hoch. Ich lasse das Fischen für heute ausfallen.

Mo. 05.04.10

Wieder bin ich gegen 10 Uhr am Hafen. Heute geht so gut wie kein Wind. Die Wasser temperaturen bewegen sich zwischen 3,5 und 4,2 Grad. Weder auf Fliege noch auf Blinker erhalte ich einen Biss oder Nachläufer.

 

Blick auf das Örtchen Landön

 

Di. 06.04.10

Heute Morgen zeigt sich das Wetter von seiner besten Seite. Die Sonne strahlt vom Himmel und ein angenehmer Südwest lässt hoffen. Ich drehe zweimal meine Runde zu den von mir bevorzugten Plätzen aber außer einem Biss auf Blinker gegen 12:30 Uhr zeigen die Fische kein Interesse. Die Wassertemperatur will nicht steigen.

Hier taucht immer mal wieder eine Meerforella auf.

 

Mi. 07.04.10

Gegen 09:30 Uhr bin ich in Landön. Blauer Himmel, Sonnenschein und südlicher Wind in angenehmer Stärke. Irgendwie habe ich für heute ein gutes Gefühl. Auch die Wassertemperatur ist ein wenig gestiegen. Über den Tag zeigt das Echolot als kälteste Temperatur 3,5 und als wärmste 5,5 Grad. Kurz nach 12:00 Uhr bekomme ich einen Biss auf meinen Eigenbaublinker und kann eine 59er Meerforelle mit 1,5 kg Gewicht landen. Das Wasser hatte an dieser Stelle 4,3 Grad. Für den Rest des Tages ging dann nichts mehr, aber was soll’s, der Anfang ist gemacht.

Do. 08.04.10

Wie so oft bin ich um 10 Uhr wieder am Hafen. Der Wind bläst schon recht ordentlich aus Südost. Ich beginne wieder an den Außenschären und fische mich ohne Kontakt zu bekommen in den inneren Schärenbereich. An einer Stelle, die mir über die Jahre schon manchen Fisch beschert hat, habe ich auch heute wieder Glück. Gegen 11:45 Uhr bekomme ich dort einen Biss auf meinen Blinker. Eine wunderschöne, silbern glänzende Forelle springt zweimal hoch aus dem Wasser und kämpft verbissen gegen meinen Zug.

62 cm lang und 2 kg schwer

Eine der vielen Steinansammlungen im freien Wasser

Nach einer Weile kann ich den Fisch problemlos keschern. Ich freue mich über einen 62 cm langen und 2 kg schweren Rogner. Die Wassertemperatur betrug 3,8 Grad. Das Wasser wird heute auch nicht allzu viel wärmer werden, der Südostwind ist eiskalt.

Fr. 09.04.10

Heute ist es komplett bewölkt und der Wind bläst kräftig von Nordwest. Ich fahre wieder meine Tour über die Außenschären, mit dem gewohnten Ergebnis. Die Standardplätze bei südlichen Winden sind heute fast windstill und somit uninteressant. Dafür gibt es jetzt neue Stellen, denen man sonst keine Beachtung schenkt. An so einer Stelle bin ich im Moment und mache ein paar Würfe. Gerade kommt mir der Gedanke weiterzufahren als ich einen kräftigen Biss verspüre. Der Fisch ist richtig stark und wehrt sich wie der Teufel. Als er etwas näher am Boot ist, erkenne ich, dass er auf die Springerfliege, eine 6er Polarmagnus gebissen hat. Ein schöner blanker Fisch von 59 cm und 2,1 kg. Gebissen hat sie um 11:30 Uhr bei einer Wassertemperatur von 5 Grad. Etwas später fahre ich auf die andere Seite einer Insel, die ich sonst immer von der südlichen Seite befische. Dort bekomme ich um 13:15 Uhr einen weiteren Biss. Der Fisch kommt an die Oberfläche und ich sehe an der Farbe, dass es sich um einen Hecht handelt. Zum Glück ist mein Eigenbaublinker ziemlich lang und schaut noch ein Stück aus seinem Maul heraus. Eigentlich wollte ich ihn ja wieder schwimmen lassen aber der Drilling sitzt in den Kiemen und ich schlage ihn ab. Fünf Pfund bei einer Länge von 70 cm. Ich mache mich über die Außenschären so langsam auf den Heimweg. Aber wie am Morgen hat man dort noch keine Lust zum Beißen.

Sa. 10.04.10

Für heute ist Nordostwind angekündigt, was auch leider stimmt. Der Wind ist stark und kalt. Wind aus dieser Richtung macht die meisten Buchten unbefischbar. Gegen 13:30 Uhr verliere ich die Lust und fahre nach Hause. Wir ziehen den für Sonntag vorgesehenen Einkaufstag vor, somit steht mir der Sonntag unerwartet zum Fischen zur Verfügung.

So. 11.04.10

Auch für heute ist in der Zeitung Nordostwind angekündigt; zum Glück hält er sich nicht daran. Es weht ein angenehmer Südostwind in der richtigen Stärke und die Sonne zeigt sich von der besten Seite. Heute kann ich mal die dicke Jacke ausziehen, so angenehm sind die Temperaturen. Ich fahre zum ersten Mal in diesem Urlaub zu den „Hamranas“ ein interessantes und gutes Gebiet für Meerforellen, ca. 4 km von Landön in westlicher Richtung.

Der Bereich ist immer gut eine oder mehrere Meerforellen.

 

Dort stehen 5 Angelkollegen z.T. an Land oder bis zum Bauch im Wasser und versuchen ihr Glück. Ich fische etwas über eine Stunde ohne Fischkontakt und mache mich dann wieder auf den Rückweg in meinen gewohnten Bereich. Mal wieder fahre ich an einen meiner Lieblingsplätze in den äußeren Schären, der mir in den letzten Jahren schon einige Fische gebracht hat – nur noch nicht in diesem Urlaub. Und Petrus hat ein Erbarmen und beschert mir dort für dieses Jahr den ersten Fisch (58 cm, 1,5 kg, 13:15 h, 4,2 Grad). Später habe ich dann noch an einer anderen Insel einen Nachläufer, der jedoch, als er das Boot bemerkt, wieder abdreht. Ein schöner Tag, so darf es gerne weitergehen.

Mo. 12.04.10

Heute bläst der Wind aus südwestlicher Richtung und es ist gegen 10:00 Uhr noch recht frisch. Ich befische wieder die für diesen Wind günstig gelegenen Stellen und habe am selben Platz wie gestern wieder einen Nachläufer. Alle weiteren Anbieteversuche werden wieder ignoriert. Es ist 14:30 Uhr und ich befische die Stelle wo ich gestern die eine Forelle erwischt habe. Bei einem Rundumblick stelle ich fest, dass es am Horizont über der freien Wasserfläche ziemlich diesig ist. Ich mache noch ein paar Wurf und schaue wieder zurück. Ich traue meinen Augen nicht.  Zwischenzeitlich hat sich eine Nebelwand aufgebaut, die nur noch ein paar hundert Meter von mir entfernt ist. Ich bin schon einmal hier in Nebel geraten und weiß wie unangenehm und gefährlich das werden kann. Jetzt gibt’s nur noch eins, Vollgas Richtung Hafen. Als ich dort ankomme hat mich der Nebel eingeholt, hinter mir ist nur noch eine undurchsichtige, weiße Wand. Selbst die erste Insel, die noch keine hundert Meter vom Hafen entfernt ist, kann man nicht mehr sehen. Richtig reagiert und Glück gehabt. Als ich mein Boot eingeparkt habe ist hinter der Kaimauer alles weiß und man sieht nichts mehr vom Wasser.

 

Wenn der Nebel kommt verschwindet man am besten so schnell es geht vom Wasser.

 

Di. 13.04.10

Für heute ist schwacher Wind angekündigt, was leider auch stimmt. Die Oberfläche kräuselt sich bestenfalls ein wenig. Das Wasser ist glasklar und die Fische, sofern überhaupt welche da sind, sehen meinen Köder bestimmt gestochen scharf. Entsprechend fällt heute auch das Fangergebnis aus. Durch das klare Wasser hat man einen schönen Einblick in die unteren Regionen. Wunderschöne, große, gesunde Blasentangwälder haben sich an verschiedenen Plätzen wieder gebildet, die in den 80er-Jahren fast verschwunden waren.

Schöner, gesunder Blasentang - ideale Futterplätze und Unterstände.

 

Ein idealer Unterstand für den Räuber Hecht und auch die Meerforellen finden sich dort gerne ein. Heute wird an jeder Stelle, die ich befische, die 5-Grad-Grenze erreicht oder überschritten und ich sehe auch an einem Platz die 6,0 in meinem Echolot. Es geht aufwärts! Mir nützt es leider nicht mehr viel, es verbleiben nur noch zwei Angeltage; so schnell sind drei Wochen vorüber.

Mi. 14.04.10

Wunderschönes Wetter, nordöstlicher Wind. Obwohl einige Stellen vielversprechend aussehen geht gar nichts. Gegen Mittag dreht der Wind auf Südost. Da er nicht sehr stark bläst, entscheide ich mich noch einmal an die „Hamranas“ zu fahren. Es stehen wieder zwei Mann im Wasser und blinkern. Ich fische mit der Fliege und bin eigentlich ganz guter Hoffnung, dass etwas beißt. Das Wasser ist hier seltsamer Weise um mindestens ein Grad wärmer (überall zwischen 6 und 7 Grad) wie an allen anderen Stellen im Schärgarten. Ich lasse mich ein Stück in eine ruhigere Bucht treiben und bekomme dort tatsächlich einen Biss. Eine ca. 300 gr. schwere Meerforelle zappelt an meiner GP. Sie wird abgehakt und wieder zurück gesetzt. (14:25 Uhr, 7,2 Grad). Etwas später lasse ich mich noch einmal in diese Bucht treiben und kann jetzt an einer Stelle 8,1 Grad messen. Endlich kommen die Temperaturen in die richtigen Regionen. Wenn morgen die Wetter- und Windverhältnisse ähnlich sind werde ich wohl hier beginnen.

Do. 15.04.10

Heute habe ich meinen Bootstrailer im Schlepp, es ist leider der letzte Angeltag. Dafür gibt Petrus alles was er hat. Bestes Wetter, klasse Südwestwind. Wie gestern geplant, fahre ich direkt an die „Hamranas“. Es sind bereits 4 oder 5 Fischerkollegen dort, die vom Ufer oder watend fischen. Ich fange mit der Fliegenrute und meiner altbewährten GP + Polarmagnus als Springerfliege an. In der Bucht, in der ich gestern die kleine Forelle erwischt habe beißt gegen 11:25 Uhr wieder eine, dieses Mal eine etwas Größere (ca. 40 cm auf die Polarmagnus). Fünf Minuten später und ein paar Meter weiter ein erneuter Biss. Dem Kämpfen nach ist das eine für den Räucherofen (55 cm, 1100 g, 6,5 Grad, GP). Ich fische in diesem Bereich bis gegen 14 Uhr. Dann mache ich mich auf den Rückweg zu den Landöner Schären. Ein paar Plätze, die sonst immer gut für einen Fisch sind, geben dieses Jahr einfach nichts her. Ich fahre weiter in den östlichen Schärenbereich und kann dort auf Blinker noch gegen 15:30 Uhr eine kämpferische Mefo von 54 cm und 1300 g. bei 7,2 Grad Wassertemperatur erwischen. Eine Viertelstunde später beißt Nummer vier, die nur knapp das Schonmaß verfehlt und noch einmal Glück hat. In der Zwischenzeit hat der Südwest die Wellen ganz schön hochgeschaukelt; die Rückfahrt in den Hafen ist die reine Berg- und Talfahrt. Mein Dank geht an Petrus, der mir noch einen herrlichen letzten Angeltag beschert hat. Ich ziehe das Boot auf den Trailer und freue mich bereits auf meinen nächsten Meerforellenurlaub.