Auf Meerforellen an Südschwedens Ostseeküste April 2008


von Gerold (Gerry) Clasen

April, Meerforellenzeit in den Schären!

 

Ohne nennenswerte Verkehrsprobleme sind wir, wie immer ist meine bessere Hälfte mit von der Partie,  am 30.03.08 in unserem Urlaubsdomizil in Südschweden angekommen. Montags wurde alles Notwendige für die nächste Zeit eingekauft und ich habe mein Boot zu Alf (Motor & Marin) gebracht um mir einen neuen Motor anbringen zu lassen. Der alte Evinrude hatte nach 10 Jahren Dienst plötzlich Aussetzer und ist dann erst nach längerer Zeit wieder angesprungen. Auf der Ostsee brauche ich aber einen Motor, auf den ich mich verlassen kann.

 

Der neue Suzuki 4-Takter DF 15 mit Elektrostarter

1.4.08. - Heute habe ich mein Boot bei “Motor & Marin” mit dem neuen Suzuki 15 PS 4-Takter abgeholt und bin direkt nach Landön gefahren. Sten, der Hafenkapitän hat mir wieder denselben Liegeplatz zugewiesen wie in den letzten beiden Jahren. Als erstes lese ich die dicke Gebrauchsanweisung um nicht gleich von Anfang an etwas falsch zu machen.

Dieses Mal habe ich mir einen Motor mit elektrischem Starter gegönnt, mal sehen wie er sich im Einsatz bewährt. Gegen 12 Uhr bin ich mit allen Vorbereitungen fertig und los geht’s zur ersten Angeltour in diesem Jahr. Das Wetter ist diesig. Das Wasser hat 6 Grad und die Luft 9 Grad. Bei leichtem Südwestwind dürften die Chancen eigentlich nicht schlecht sein. Plötzlich zieht Nebel auf und ich bleibe in dem für mich überschaubaren Bereich am Nordende meiner Lieblingsinsel. Ich fische eine Weile mit der Fliegenrute und meiner bewährten General Practitioner (GP) aber ich kann keine Meerforelle zum Biss überreden. Ich nehme die Blinkerrute und probiere meinen Eigenbaublinker aus Messing. Man soll es nicht glauben, fast an derselben Stelle wie im letzten Jahr beißt um 14:40 Uhr wieder eine gute Mefo von 74 cm und 3150 gr. Ich wechsele wieder auf die Fliegenrute und bekomme um 15:00 Uhr einen Biss. Die Forelle hätte das Maß, kann mir aber nach zwei Sprüngen wieder entkommen. In der Zwischenzeit hat die Sonne den Nebel verdrängt und es ist ganz angenehm. Jetzt will nichts mehr auf Fliege. Eine halbe Stunde später erwische ich kurz hintereinander noch zwei weitere Forellen auf Blinker, eine von 54 cm, 1400 gr. (Rogner) und eine Untermaßige von ca. 40 cm. Kein schlechtes Ergebnis für den ersten Tag.

74 cm und 3150 gr.

 

3.4.08. - Heute ist schönes Wetter, sonnig und aufgelockerte Bewölkung, aber leider Nordwind. Was soll’s, geangelt wird trotzdem. Und wer sagt’s, man kann auch bei Nordwind fangen. Gegen 15:00 Uhr erwische ich eine 47iger und eine gute halbe Stunde später eine mit 57 cm und 1400 gr. Wasser 6 Grad, Luft 9 Grad.

57 cm, 1400 gr.

Schärengartenmotiv

4.4.08. - Wie immer beginne ich mit der Fliegenrute, bekomme aber keinen Biss. Da in der Zwischenzeit der Wind auch ziemlich kräftig geworden ist, er hat von anfangs Nordwest innerhalb von einer guten Stunde über West auf Südwest gedreht, nehme ich wieder die Blinkerrute. Zwischen 13:00 Uhr und 15:30 Uhr kann ich vier Meerforellen fangen, drei untermaßige und eine mit 61 cm und 2050 gr. Bei dieser Forelle habe ich beim Ausnehmen 13 Stichlinge verschiedener Größe und einen Gammarus im Magen gefunden, wovon ein Stichling noch gezappelt hat. Wasser 7, Luft 9.

Die Stichlingsfresserin

13 Stichlinge und ein Gammarus

5.4.08. - Gleich von Anfang an idealer Südwestwind. Gestern Abend habe ich mir noch eine Stichlingsimitation gebunden, die ich jetzt ausprobiere. Es dauert noch keine 10 Minuten und ich kann damit eine Forelle mit 51 cm und 1200 gr. landen und eine halbe Stunde später eine weitere von 54 cm. Da an meiner Lieblingsinsel trotz eigentlich idealer Voraussetzungen nichts mehr beißt, wechsele ich an eine andere Stelle, an der ich bisher noch nicht gefischt habe. Hier sieht es vielversprechend aus. Mitten im freien Wasser einige größere steinige Stellen, die förmlich nach Mefos riechen. Der zweite Wurf bringt direkt den erwünschten Kontakt. Die Forelle ist stark und gibt nicht so schnell auf. Sie ist 68 cm lang und wiegt genau 6 Pfund. Eine Stunde später fängt es leicht zu regnen an und ich erwische noch eine mit 63 cm und 4 Pfund. Der Wind hat mittlerweile auf Süd-/Südost gedreht.

51 cm, 1200 gr

68 cm, 3000 gr

Stellen, an denen ich dieses Jahr zum ersten Mal gefischt habe.

 

62 cm, 2300 gr.

7.4.08. - Heute bin ich schon kurz nach 10 Uhr auf dem Wasser. Schönes Wetter und Südwestwind. Trotz guter Voraussetzungen aber bis kurz nach 13 Uhr kein Fischkontakt. Dann kommt der erste und auch für heute einzige Forellenbiss. Ein 62iger Rogner, 2300 gr., wandert in den Kescher. Einige Zeit später beißt mir noch ein Hecht die Dyneema durch und verschwindet mit meinem Lieblingsblinker.

9.4.08. - Am Anfang Nordwestwind, der im Laufe des Tages auf Westwind dreht. Ein Biss, der Fisch bleibt jedoch nicht hängen; er verfolgt den Blinker bis ans Boot und dreht dann ab.

11.04.08. - Über den ganzen Tag starker Ostwind. Kein Fischkontakt. Wasser 7, Luft 8.

 

12.04.08. - In unserem Urlaubsort regnet es bis 12 Uhr, dann lockert sich die Wolkendecke langsam auf. In der Hoffnung, dass sich das Wetter hält, mache ich mich auf Richtung Landön. Der Wind kommt von Norden, aber das will nicht unbedingt heißen, dass ich nichts fange. Nordwind hat mir schon öfters Fische gebracht. So beißt auch heute gegen 14:15 Uhr eine 40iger Mefo, die wieder zurück gesetzt wird. Wasser 7, Luft 6.

Interessante Stellen

 

13.04.08. - Der 13., kein Tag für abergläubische Menschen; zu denen ich zum Glück nicht gehöre. Heute sind ideale Windverhältnisse für mit der Fliege zu fischen. Es ist zwar nur ein normaler Westwind und nicht der erwünschte Südwest aber die Fische müssen auch an so einem Tag etwas fressen, man muss sie nur finden. An der Nordseite meiner Lieblingsinsel verankere ich mich und mache meine 7/8er Zweihänder Boron IIX Spey von Winston mit der S1 von Vosseler einsatzbereit. Der Wind kommt heute schön gleichmäßig und es lässt sich gut werfen. Schon nach einer halben Stunde kommt der erste Biss und ein guter Fisch wehrt sich an der Rute. Als ich ihn keschere sehe ich, dass er die Springerfliege, einen Punker, genommen hat. Es ist der erste und einzige Milchner, den ich in diesem Urlaub fange. Ein schöner Fisch mit einer Länge von 61 cm und einem Gewicht von 2100 gr. Eine knappe Stunde später, um 11:45 Uhr, montiere ich auch als Strecker einen Punker. Schon beim ersten Wurf kommt ein harter Biss und ich habe einen Gegner, der sich gewaltig wehrt. Nach gut 10 Minuten kann ich die Forelle keschern. Bei einer Länge von 76 cm bringt sie 4100 gr. auf die Waage. Meine bisher längste und auch schwerste Meerforelle und das schöne ist, dass ich sie auf Fliege fangen konnte. Zwei weitere Bisse kann ich nicht festmachen. Am späten Nachmittag fange ich noch einen Winzling von knapp 20 cm auf eine GP. Gegen 16 Uhr dreht der Wind auf Südwest aber die Fische haben anscheinend keinen Appetit mehr. Ein paar Schweden kommen mit ihrem Boot zu mir gefahren und fragen mich, ob ich etwas gefangen hätte. Ich sage, dass ich zwei Stück erwischt habe. Da greift der eine Schwede ins Boot und hebt eine Forelle mit ca. 6- 7 Pfund hoch und meint, sind deine auch so groß? Ich grinse ihn an sage: “Größer!” und zeige ihm das 76iger Prachtstück. Sie gratulieren mir und fahren weiter. Da soll noch einmal einer sagen, der 13. sei ein Unglückstag. Wasser 7 Grad, Luft 11 Grad.

 

Die Punker-Forelle

Der dickste Brocken dieses Urlaubs - 76 cm und 4100 gr.

 

14.04.08. - Trotz gutem Südwestwind und bewölktem Himmel bleibt nichts hängen. Die drei Bisse, die ich heute habe, waren nur halbherzig. Wasser 7, Luft 8.

 

15.04.08. - Gegen 10 Uhr bin ich auf dem Wasser. Leichter Nordwind kräuselt teilweise die Oberfläche. Das Boot treibt nur ganz schwach ab. Gegen 11 Uhr ist dann absolute Windstille. Spiegelblankes Wasser, blauer Himmel, Sonnenschein. Es wird so warm, dass ich das erste Mal in diesem Urlaub die Jacke auf dem Boot ausziehen muss. Nach 12 Uhr kommt ein leichter Südwestwind auf, ideal zum Fliegenfischen. Leider scheinen keine Fische da zu sein, die das Angebot zu schätzen wissen. Ganz in meiner Nähe höre ich einen großen Fisch springen, sehe aber nur noch die Ringe, die sich im Wasser verbreiten. Mehrere Würfe an diese Stelle, mit Fliege als auch mit Blinker bleiben unbeachtet. Etwa 15 Minuten später noch einmal das gleiche Spiel an derselben Stelle. Wieder versuche ich mein Glück, der Fisch hat aber keine Lust auf meine Köder zu beißen. Ich mache einen Ortswechsel und fahre die vorgelagerten Steine der Nachbarinsel an. Hier bekomme ich zwei Bisse, die Fische bleiben allerdings nicht hängen. Gegen 15 Uhr erwische ich eine Forelle von 64 cm und 2 kg auf meinen Eigenbaublinker. Die vorher präsentierte Fliege hatte ihn nicht interessiert. Der Wind wird noch schwächer und ich mache mich gegen 16:30 Uhr auf den Heimweg.

 

Spiegelblankes Wasser

Schwäne gibt es hier noch jede Menge

Schön anzusehen aber fischereilich tote Hose!

6.04.08. - Für heute ist bewölktes Wetter und leichter Nordwind angesagt. Als ich gegen 10 Uhr auf dem Wasser bin trifft das auch noch zu. Ich befische zwei normalerweise gute Stellen ausgiebig mit der Fliege, es scheint aber niemand zuhause zu sein. Während des Einstrippens schaue ich so ein bisschen in der Gegend herum und werde auf ein Objekt aufmerksam, das so ca. 1 -1,5 km von mit entfernt, mitten im Wasser ist. Es hat eine Ähnlichkeit mit einem Boot, ist dafür aber zu klein und für einen Vogel ist es wieder zu groß. Ich nehme mein Fernglas, bekomme aber bei dem Gewackele kein scharfes Bild. Eigentlich kann es sich nur um eine Robbe handeln. Das will ich jetzt genau wissen und fahre los. Ab einer gewissen Entfernung kann ich genau erkennen, dass es tatsächlich eine Robbe ist. Sie lässt mich bis ca. 60-70 m an sich herankommen und gleitet dann von ihrem Stein ins Wasser. Ich tuckere langsam noch ein Stück in ihre Richtung weiter und mache dann den Motor aus. Zwischenzeitlich ist sie wieder aufgetaucht und da sie anscheinend auch neugierig ist, ist sie in meine Richtung geschwommen. Sie traut sich so bis ca. 40 m ans Boot. Wir betrachten uns ein Weilchen und dann fahre ich wieder zurück.

Schön, dass man sie in freier Natur noch sehen kann.

Inzwischen hat der Wind auf Südwest gedreht und es ist ein bisschen frischer geworden. Ich fahre an die vorgelagerten Steingruppen an der Nachbarinsel. Der Wind hat schon wieder gedreht und kommt jetzt aus Südost. Am Himmel ziehen schwarze Wolken auf und gegen 12:30 Uhr fängt es zum ersten Mal an leicht zu regnen. Kurz darauf bekomme ich einen Biss auf meinen Eigenbaublinker. Ich werfe die Stelle ohne große Hoffnung erneut an und peng, dieses Mal hängt sie. Nach kurzem Drill lande ich eine 70iger Mefo mit 2800 gr. Im gleichen Bereich fange ich eine Stunde später noch eine knapp maßige Forelle, die wieder zurück gesetzt wird. Ich will es mir in dieser Ecke gerade etwas gemütlich machen als es richtig zu regnen anfängt. Rundum ist alles katzengrau und ich habe keine großen Hoffnungen mehr, dass sich daran heute noch einmal etwas ändert. Ich packe mein Zeugs zusammen, bedanke mich noch einmal bei Petrus für den erfolgreichen Angelurlaub und fahre in Richtung Hafen. Da ich durch einen Bereich fahre, in dem ich vorher noch nicht war, fahre ich wegen der möglicherweise vorhandenen Steinen nicht so schnell. Plötzlich sehe ich vor mir wieder eine Robbe dieses Mal nur ca. 25-30 m vom Boot. Da es jedoch ziemlich stark regnet, habe ich meinen Fotoapparat gut verstaut und kann diese Gelegenheit leider nicht nutzen. In strömendem Regen verpacke ich meine Utensilien im Auto und verfluche die Wetterfritzen. Heute war alles angesagt, nur kein Regen. Die Forelle schenke ich Sten, dem Hafenkapitän, der mir nun zum 3. Mal einen optimalen Bootsplatz zugeteilt hat. Alles in allem hat mir dieser Urlaub 20 Meerforellen gebracht, davon haben 13 das Schonmaß überschritten (in Schweden gelten 50 cm).

70 cm, 2800 gr. - Ein schöner Abschluss

 

Abschließend möchte ich noch erwähnen, dass es in dem kleinen Örtchen Landön eine größere Gruppe Jagdfasane gibt, die wie früher die Hühner mitten im Dorf und auf der Straße herum laufen. In Landön scheint es keine Fliegenbinder zu geben.