Auf Meerforellen an Südschwedens Ostseeküste April 2006


von Gerold (Gerry) Clasen

 

In diesem Jahr musste ich aus beruflichen Gründen einen Teil meines Urlaubes schon im April nehmen, was mir allerdings die Möglichkeit eröffnete, erstmals ausgiebig den Meerforellen an der südschwedischen Küste nachzustellen.

Am Karfreitag ging es dann los. Mit einer Übernachtung bei Hamburg erreichten wir, meine bessere Hälfte und ich, am Samstagabend, bei regnerischem Wetter, dann unser Ziel. Der Sonntag ging mit Ausschlafen, Einkaufen und sonstigen Vorbereitungshandlungen schnell vorbei.

Am Ostermontag ging es dann richtig los. Mein Trailer mit Boot war startklar und auf ging es nach dem 28 km entfernten Landön, meinem Ausgangshafen für die nächsten Tage.

Landön ist eine kleine Halbinsel mit einem vorgelagerten, nicht allzu großen Schärengarten und vielen, vielen, teilweise tückischen Steinen.

Da es schon viele Jahre her ist, dass ich diesen Schärenbereich mit dem Boot befahren habe gehe ich die Sache langsam an, zumal ich mich nicht mehr erinnern kann, wo gefährliche Steine sind oder wo ich etwas schneller fahren kann. Ohne Echolot würde ich mich jedenfalls nicht sonderlich wohl fühlen. Ab einer Wassertiefe von 3 – 4 Metern muss man immer mit einer steinernen Überraschung rechnen. Außerdem fehlen mir die erforderlichen Ortskenntnisse um zielstrebig die interessanten Mefo-Stellen anzufahren. Was mir bisher so vom Uferfischen her bekannt war, bringt jedenfalls kein Ergebnis. So vergeht der Montag, der Dienstag und auch der Mittwoch. Mit dem Wetter habe ich weitgehend Glück, außer ab und zu ein paar Spritzer bleibt der Himmel trocken. Der Wind frischt teilweise ordentlich auf und ein Fischen mit der Fliegenrute wird unmöglich. Dann muss eben die Spinnrute herhalten, ich will schließlich eine Meerforelle fangen.

Donnerstag, der 20. April 2006. Heute habe ich David, einen schwedischen Bekannten mit an Bord, der das Gewässer allerdings auch nicht besser kennt als ich.

Es ist wieder sehr windig und die Fliegenrute kommt nur wenig zum Einsatz. Zwischen einer kleinen Insel und dem Festland werfe ich meinen Blinker aus und schleppe ihn hinter dem Boot her. Ich verwende einen schlanken Eigenbaublinker aus Messing, ca. 25 Gramm schwer und ca. 14 cm lang. Es dauert noch keine Minute und da ist der seit Tagen ersehnte Biss.

Eine schöne blanke Meerforelle von 54 cm und 3 Pfund wird gekeschert. Es ist 15:30 Uhr, das Wasser hat 6 und die Luft 8 Grad. Durch den Fang motiviert fahre ich etwas weiter raus an eine Erfolg versprechende Insel. Da der Wind immer noch sehr stark bläst verwende ich weiterhin die Blinkerrute. So blinkern wir uns eine Weile an der Insel entlang und die Aufmerksamkeit lässt mit der Zeit nach.

Völlig überrascht erhalte ich einen gewaltigen Schlag in die Rute und gleichzeitig springt eine Forelle aus dem Wasser, die wir beide auf mindestens 8 Pfund schätzen. Der Drill dauert allerdings nicht lange und der Fisch steigt aus.

Der Freitag und der Samstag vergehen wieder fischlos. Auch die Kollegen mit der Wathose, die ich immer wieder in einer flachen Bucht stehen sehe, haben kein Glück.

Sonntag, ein neuer Tag ein neues Glück. Ich fahre wieder zu der etwas weiter draußen liegenden Insel an der mir die große Forelle abgekommen ist. Auch heute bläst wieder ein strammer Südwestwind und mit der Fliegenrute ist mal wieder nicht viel anzufangen. So langsam geht mir das auf die Nerven, schließlich will ich meine erste Meerforelle mit der Fliegenrute fangen. Gegen 15:00 Uhr bekomme ich wieder einen Biss und kann eine Mefo von 53 cm und 1150 Gramm landen.

Ideale Stellen – Steine und Tang

Ein kleiner Ausflug zu einem Leuchtturm, am äußeren Rand des Schärengartens bringt mir zwar keinen Fisch, dafür aber ein Erlebnis der besonderen Art. Ich bemerke plötzlich, dass ich einen Begleiter bekommen habe, der über eine längere Strecke, so im 30 – 40 m Abstand, neben meinem Boot herschwimmt. Es ist der erste Seehund, den ich hier life erleben darf.

Montag, der 24.4.2006. Heute bläst ein moderater Südwestwind und Fliegenfischen ist angesagt. Ein paar Versuche hier und da bringen nichts. Also wieder an meine Lieblingsinsel. Und tatsächlich, es dauert nicht lange, habe ich meinen ersten Biss auf einen General Practitioner in Größe 2 (Doppelhaken). Die Kenner der Materie werden jetzt vielleicht lächeln da es sich ja nicht unbedingt um eine Küstenfliege handelt. Das war mir auch klar aber ich habe auf den Tipp eines Einheimischen gehört, der, wie man noch sehen wird, nicht der schlechteste war. Sie ist zwar nicht die Größte mit ihren 53 cm (1150 Gramm) dafür ist sie aber schön blank. (Fangzeit: 14:00 Uhr, Wassertemperatur: 7 Grad, Lufttemperatur: 12 Grad)

Als Rute verwende ich übrigens eine Sportex FL 2747, 2,70 m, # 7/8, die ich im letzten Jahr beim Fliegenfischertreffen „Mechthild“ in der Tombola gewonnen habe. Empfehlenswerte Rute, würde ich nach den mit ihr gemachten Erfahrungen auch kaufen. Als Rolle benutze ich eine Vosseler S 1.

Bis sich die Rute wieder biegt, vergeht eine gute Stunde; dieses Mal ist es eine 50iger mit ca. 1200 Gramm. Mir fällt plötzlich ein, dass mir mein Freund geraten hat, einen Springer anzubringen. Ich binde eine kleine orangerote Fliege ein und versuche mein Glück. Es dauert tatsächlich nur eine weitere Viertelstunde bis sich die Rute schon wieder biegt, aber dieses Mal ordentlich. Komisches Verhalten, denke ich, der Fisch scheint nicht zu wissen wo er hin will. Als ich ihn endlich in der Nähe des Bootes habe stelle ich fest, dass ich eine Dublette gefangen habe. Die Fische sind zwar nicht besonders groß (ca. 500 und 800 Gramm) aber immerhin. Zwei auf einen Streich fängt man wahrscheinlich auch nicht so häufig. Plötzlich sehe ich im Augenwinkel eine Bewegung etwas weiter weg im Wasser. Und wer ist wieder da? Mein Freund der Seehund. Irgendwie muss ich es ihm angetan haben denn er beobachtet mich wieder eine ganze Weile.

Diesen Steinchen sollte man tunlichst aus dem Wege gehen.

Dienstag, der 25.4.2006. Wo sonst, ich bin natürlich wieder an meiner Lieblingsinsel. Irgendwie zieht sie mich magisch an. Der Wind hat gedreht und bläst kräftig aus Südost. Ich entscheide mich nach einer Weile Fliegenfischen wieder für die Blinkerrute. Gegen 14:00 Uhr gibt es einen kräftigen Schlag in die Rute, die sich auch sofort ordentlich durchbiegt.

Nach einem kurzen, heftigen Drill kann ich eine 73 cm lange und 3 kg schwere Meerforelle auf meinen Eigenbaublinker landen. Die Wassertemperatur ist wieder auf 6 Grad gefallen und die Luft hat auch nur 5 Grad. Aber mit den richtigen Klamotten ist das ja kein Thema. Zwei Stunden später folgen in kurzem Abstand zwei weitere mit jeweils ca. 1 kg, die wieder zurück dürfen. Da sich der Wind mittlerweile beruhigt hat, setze ich wieder die Fliegenrute ein. Und heute muss mein Glückstag sein, fange ich doch tatsächlich gegen 17:00 Uhr noch zwei weitere Meerforellen auf die bewusste „GP“. Da auch diese Fische nur so ca. 1kg wiegen, dürfen sie wieder zurück ins kalte Nass.

Mittwoch, der letzte Angeltag ist angebrochen. Heute will kein Wind aufkommen. Das Wasser ist spiegelglatt und sichtig. Keine allzu rosigen Aussichten. Aber wieder um 14:00 Uhr, jetzt schon zum dritten Mal, beißt eine Forelle auf meine Fliege, dieses Mal auf eine Chillimps. Ein schöner Abschluss.

Ich verabschiede mich in Gedanken von meinem Lieblingsplätzchen und träume schon vom April 2007. Jetzt weiß ich wo ich hin muss, ich weiß was ich an Ködern brauche dann muss nur noch das Wetter und die Gesundheit mitspielen.

Alles in allem konnte ich 12 Fische landen, davon fünf auf Fliege. Ich denke, für meinen ersten Versuch auf Meerforellen kann ich zufrieden sein. Die 5 größten Fische habe ich entnommen, filetiert und geräuchert, zum Teil alleine gegessen, zum Teil mit Freunden, die jetzt schon wieder darauf warten, dass sich das Ganze wiederholt.

Vielen Dank an Schweden, vielen Dank an die herrliche Natur und ihre Geschöpfe.